Lester Powell

Die Dame im Nebel

Kriminal-Hörspiel
Der Hörverlag
ca. 230 Minuten
4 CD; ISBN: 3-89940-499-8; 24,95 EUR
Produktion: Saarländischer Rundfunk, 1956
Regie: Albert C. Weiland
Musik: Manfred Minnich

Sprecher:
Philip Odell – Albert-Carl Weiland
Heather McMara – Brigitte Dryander
In weiteren Rollen: Otto Düben, Lothar Rollauer, Karl Supper, Günther Stutz, Theo Schulte, Christa Adomeit, Susanne Heym, Bernd Hellmann, Gert Grellmann, Ernst Kösling, Ingeborg Fries, Helmut Pönicke, Nestor Xaidis, Herbert Temme, Ingeborg Schweig, Gert Berger, Knut Roennecke, Klaus Greinke, Heinz Göricke, Eileen Leibbrandt, Harry Naumann u.v.a.

Inhalt:
Philip Odell ist ehemaliger Abwehrattaché und mit allen Wassern gewaschen. Eines Tages wird aus einem Rendezvous mit der hübschen Heather McMara sein erster Fall. Heathers Bruder Ricky wurde tot aus der Themse gefischt. Er galt als Halunke, deshalb kann Heather an einen Unfall oder Selbstmord nicht glauben. Und so stellt Odell eigene Nachforschungen an und gerät bald in ein gefährliches Netz aus Intrigen, Eifersucht und schmutzigen Geschäften...


Kritik:

Der erste Fall der legendären „Dame-Krimi-Reihe“ aus den 50er-Jahren: Philip Odell, Privatdetektiv und ehemaliger Secret-Service-Mitarbeiter, wird von der charmanten Heather McMara gebeten, den Tod ihres Bruders Ricky zu untersuchen. Der war zwar auch ihrer Meinung nach „ein Lump oder Schlimmeres“, an Selbstmord kann sie jedoch nicht glauben. Und sie scheint Recht zu behalten: In Rickys Kalender finden sich die Adressen von zwei Männern, die sich nur allzu verdächtig benehmen, als Odell ihnen einen Besuch abstattet: die des Millionärs und Rennbahneigners Hampton und die des Verlegers Soroby. Dann wird Odell im dichten Nebel beinahe von einer Dame im Nerz überfahren, und diese scheint nach Aussage von Rickys Freundin Marilyn kurz vor dessen Tod auch bei Ricky aufgetaucht zu sein... Bevor Philip und Heather 1 und 1 zusammenzählen können, wird Marilyn erwürgt aufgefunden. Und bei diesem einen Mord bleibt es nicht: Wer steckt hinter der Geschichte, die bis weit in die Vergangenheit hinein reicht? Bei seinen Ermittlungen lebt auch Ermittler Odell nicht ungefährlich. Eben noch auf der Spur nach Beweisen, findet er sich plötzlich als Patient der Nervenheilanstalt des ominösen Dr. Frey wieder, bis oben hin vollgestopft mit Morphium. Ist Odell schon näher an der Lösung des Falles als er selbst weiß? Wer will ihn ausschalten? Und wer ist die Dame im Nerz?

Mit der „Dame im Nebel“ veröffentlicht der Hörverlag das erste der Serie von Radiohörspielen nach Lester Powell, die im Nachkriegs-London des Zweiten Weltkriegs spielen und mit dem Ermittlerpärchen Philip Odell und Heather McMara zwei clevere, charmante Hauptfiguren mit viel Stil, Wortwitz und Charakter aufbieten können, mit denen man allzugerne immer wieder auf Ganovenjagd geht.

Albert C. Weiland, der nicht nur Regie führte, sondern auch den Philip Odell sehr gut darstellt, ist geradezu die Idealbesetzung für den coolen, nur beim schönen Geschlecht schwach werdenen Detektiv, der im Verlaufe seiner Ermittlungen von einer heiklen Situation in die nächste schlittert, sich aber mit viel Cleverness immer wieder herauswinden kann. Getoppt wird er nur noch von Brigitte Dryander, seinem weiblichen Gegenpart, die eine Femme fatale par excellence abliefert: ihr nimmt man den feurigen, welterfahrenen Rotschopf wahrlich ab, den sie in der Dame-Serie mimt. Auch der Rest des Casts kann sich hören lassen – große Namen wie Otto Düben und Lothar Rollauer mischen sich mit unbekannteren, die aber allesamt ihre Rollen sehr gut ausfüllen und das London von 1947 zum Leben erwecken.
Kultige Musik von Manfred Minnich, die sehr gut zum coolen Flair der Serie passt, und eine gute, wenn auch etwas minimalistische Geräuschkulisse entführen den Hörer in Sekundenschnelle in die Welt des Philip Odell. Die Tonqualität der Produktion von 1956 ist schwankend, man hört dem Hörspiel das Alter ein wenig an, aber der Liebhaber alter Radiokrimis wird es sicherlich gerne verschmerzen, denn das Hörspiel ist einfach zu gut, um sich an solchen Details lange aufzuhalten.

Die 4 CDs liegen in je zwei Doppelcases, die in einem Pappschuber stecken. Das Cover passt sehr gut zum Flair der Story. Tracks von ca. 5 Minuten Länge sorgen für guten Hörkomfort.


Fazit:

Kultig, cool, mit Charme, Wortwitz und kantigen Charakteren: „Die Dame im Nebel“ ist eine tolle erste Folge der „Dame-Serie“ um das Ermittlerpärchen Philip Odell und Heather McMara – Hörtipp!