Hansjörg Schneider

Hunkeler macht Sachen

Kriminalhörspiel
Eine Produktion des DRS 1, 2005
236 Minuten
Christoph Merian Verlag
3 CDs; ISBN 978-3-85616-260-7; 29,- Euro

Sprecher:

Ueli Jäggi, Peter Kner, Charlotte Schwab, Jean-Pierre Cornu, Eva Scheurer, Hanspeter Müller-Drossaart u.v.a.

Covertext:
Ein grauer Spätherbst in Basel. Kriminalkomissär Peter Hunkeler, temporär sitzengelassen von seiner Freundin Hedwig, bearbeitet erfolglos den Mordfall an einer Prostituierten. Er tappt durch den Nebel, von Nachtbeiz zu Nachtbeiz, und stolpert dabei buchstäblich über die Leiche eines zweiten Mordopfers. Hardy Schirmer war ein Stromer und Hunkelers gelegentlicher Saufkumpan. Bald ist klar: zwischen den beiden Fällen gibt es eine Verbindung. Beide Opfer wurden stranguliert, beiden wurde ein Ohrläppchen aufgeschlitzt. Doch noch bevor Hunkeler eine erste Spur aufnehmen kann, verliert er zwei Zähne und wird vom Dienst suspendiert. Er verzieht sich ins Elsass und leckt seine Wunden. Aber dann ermittelt er weiter, auf eigene Faust. Bis er unversehens mit einem düsteren Kapitel der jüngeren Schweizer Geschichte konfrontiert wird.


Kritik:

Der Morgen graut bereits, als Hunkeler auf seinem Heimweg von einer Beiz den alten Hardy auf seiner Bank sitzen sieht. Hunkeler setzt sich zu ihm und raucht eine Zigarette, bevor er bemerkt, dass der sonst so gesprächige invalide Stromer tot ist. Merkwürdiger Zufall, dass der brutal Ermordete einen frischen Schlitz im Ohrläppchen hat? Hunkelers momentaner Fall, die ebenfalls ermordet aufgefundene Barbara Amsler, hatte ebenfalls einen Riss im Ohrläppchen... Medien und Polizei finden schnell einen Schuldigen für den neuen Mord: eine Schmugglerbande aus Albanien. Nach einem unliebsamen Zwischenfall mit einem der albanischen Verdächtigen, der Hunkeler zwei Zähne kostet, wird er erstmal vom Dienst suspendiert, denn der Verdächtige kann entfliehen, und Hunkeler hinterlässt keinen guten Eindruck in dieser "Sache". Doch Hunkeler ist hartnäckig, er ist kantig und knorrig, lässt nicht locker und schnüffelt insgeheim auf eigene Faust weiter. Als er in einem Waldstück ein ausgebranntes Auto mit einem toten Albaner findet, wittert er die richtige Fährte. Doch bis zur Auflösung des kniffligen Falls ist es noch weit, und Hunkeler rührt im Dreck der gar nicht so fleckenlosen Schweizer Vergangenheit, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen...

Eher ruhig geht es zu in diesem Hörspiel des DRS, das bei aller Gemütlich- und Behäbigkeit (auch die gibt es) doch beharrlich zum Ziele führt. Da begleitet man den in die Jahre gekommenen, vom Dienst suspendierten Kommissär Hunkeler, der hörbar nicht seine beste Zeit hat ("Scheiß Wetter, scheiß Stadt, scheiß Zeit"), wie er scheinbar ziellos durch die heimische Gastronomie schlendert, hier was isst und dort was trinkt, sich ein wenig bemitleidet und mit seiner im Ausland verweilenden Freundin telefoniert, und irgendwie wächst er einem schnell ans Herz, der verschrobene Typ, der mit viel Zeit, aber mit der richtigen Menschenkenntnis seine Fälle löst. Hunkeler hat eben Charakter.

Äußerst passend zu Hunkelers Charakter ist die fast greifbare Musik zum Hörspiel von Domenico Ferrari, und auch die immer echt wirkende Geräuschkulisse lässt nichts zu wünschen übrig. Die Sprecher, allen voran Ueli Jäggi als Kommissär Hunkeler und Peter Kner in der Erzählerrolle, hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Feines Lokalkolorit verbreitet der leichte Schweizer Akzent, der aber keinesfalls das Verständnis trübt.

Das drei CDs starke Hörspiel liegt in einer entfaltbaren Papp-/Plastikhülle und präsentiert sich mit fotobedruckten CDs und in schicker Aufmachung. Tracks mit 6 bis 8 Minuten Spielzeit sorgen für ausreichend Hörkomfort.


Fazit:

Hunkeler macht tatsächlich "Sachen"! Wer sich mit dem desillusionierten Ermittlertyp à la "Jonas" (der letzte Detektiv) gut amüsiert, der wird seine Freude am Schweizer Kommissär haben - leise Krimikost aus dem Alpenland, für gemütliche Krimiabende am Kamin bestens geeignet.